Gagensysteme einfach erklärt.

Gagensysteme einfach erklärt.

Disclaimer: Wir wollen euch hier nur das Prinzip ganz ganz einfach erklären. Faktoren, welche die Berechnung verkomplizieren würden (Ausländersteuer, UST, Agenturprovision, AKM), haben wir rausgelassen. Wir übernehmen keine Haftung für die Angaben: Wir sind keine Rechts- und/oder Steuerberatung, dafür gibt es Spezialisten, zu denen wir uns definitiv nicht zählen. In Österreich müsst ihr eure Einnahmen versteuern. Die verwendeten Zahlen sind rein fiktiv.

Ready – dann lets go: Manchmal bekommt man als Band Gagenangebote, die einem die blanke Verwirrung ins Gesicht zaubern ..60/40, 70/30, 1.500 vs 60, after break …

Was meinen diese ganzen Zahlen und wie funktioniert das?
Viele Veranstalter bieten eine Vielzahl an unterschiedlichen Deals an, sowas wie „den besten“ Deal gibt es nicht. Es gibt auch nicht sowas wie „das eine System“.
Eine nette Fixgage ist natürlich etwas ganz Feines. ABER eine erfolgsabhängige Bezahlung kann, abhängig von der Veranstaltung in vielen Fällen Sinn machen, besonders bei Hometown Shows, weil man hier ja davon ausgehen kann, dass man da die meisten Fans mobilisieren, und so seine Gage ein wenig aufpeppen kann.
Übrigens: Die Einnahmenteilung bezieht sich immer nur auf Ticketeinnahmen, aber nicht auf den Gastroumsatz. Eine Beteiligung am Gastroumsatz ist generell unüblich.

Jeder Veranstalter bzw. jede Agentur hat hier ihr eigenes (zum Teil adaptiertes) System, welches manchmal auch von den gängigen Berechnungen abweicht, und zum Teil auch von der Gesellschaftsform, Größe des Vereins (bei Vereinen), Art der Veranstaltung etc. abhängt. Fragt im Zweifelsfall nach, oder lasst euch eine genaue Aufstellung vom Veranstalter schicken. Wie oben erwähnt, abhängig von der Gesellschaftsform des Veranstalters bzw. anderen Faktoren eurer Gesellschaftsform, gibt es hier Abweichungen. Wir erklären euch die Grundprinzipien zu erklären. Wichtig ist, dass ihr euch nicht mit Formulierungen wie „so wie immer“ abschasseln lasst, weil „so wie immer“ gibts einfach nicht.

Doordeals – Einnahmenteilung 60/40 – 50/50 – 70/30
Doordeals sind eine der gängigsten Vorgehensweisen im Newcomerbereich. Bedeutet man bekommt als Künstler einen bestimmten Anteil der Einnahmen ohne fixe Gage.

Die Zahlen geben immer die Prozentverteilung Künstler/Veranstalter an, die erste Zahl ist dabei für euch als Künstler relevant.

Also 60/40 meint 60% der Ticketeinnahmen verbleiben beim Künstler, 40% gehen an den Veranstalter. Das heisst bei € 1.000,- Einnahmen bekommt ihr € 600,- Gage. (Hier sind auch die üblichen „Ticketdeals“ zu verorten, ist im Prinzip nichts anderes als eine Einnahmenteilung)

Bei kleinen lokalen Shows läuft es manchmal so, dass die € 600,- dann unter den spielenden Bands nach bestimmtem Schemata aufgeteilt werden (zB 123 bei drei Bands) bedeutet:

Opener (1 Anteil): € 100,-
Coheadliner (2 Anteile): € 200,-
Headliner (3 Anteile): € 300,-

Auch wird die Prozentverteilung manchmal mit Abzug bestimmter Fixkosten (zB für den Tontechniker) angegeben.

Zum Beispiel 60/40 nach Abzug von 150,- für Technik bedeutet (wenn wir bei obigem Beispiel bleiben), dass von den 1.000,- die 150,- abgezogen werden und dann die übrigen € 850,- verteilt werden. Somit würde das eine Gage von € 510,- bedeuten.

ACHTUNG: Auch wenn diese Verteilung mit dem Abzug von bestimmten Posten durchaus üblich ist, ist Vorsicht geboten. Die Prozentverteilung „after costs“ (Also ein Bestimmter Prozensatz nach Abzug aller Kosten des Veranstalters) ist für den Künstler die mit dem höchsten Risiko. Auch hier gilt, lasst euch vorab eine Aufstellung der relevanten zu erwartenden Kosten geben. Manche Veranstalter kalkulieren hier schon so, dass die Veranstaltung niemals in den Bereich kommen wird, wo sie für euch Gage abwerfen wird. Klar so Versprechen wie 85% after Costs klingen sehr verlockend, führen in der Praxis für kleinere Künstler schnell mal dazu, dass man bei 300 Besuchern mit € 0,- in der Bandkassa heimfährt.

Fixgage und Beteiligung
Ist man unsicher über die Anzahl der zu erwartenden Fans, macht es Sinn sich einen Deal auszumachen, bei dem man im Falle des Falles eine Ausfallshaftung für Benzin, Mietwagen etc. bekommt, aber trotzdem am Gewinn beteiligt wird, wenn die Veranstaltung gut läuft. In jedem Fall ist es hier ratsam die Anzahl der Besucher ein wenig im Auge zu behalten, um nicht über den Tisch gezogen zu werden.

Versus Deal
Er bedeutet, dass man die Fixgage ODER (sofern dieser höher ist) einen bestimmten Prozentsatz der Ticketeinnahmen bekommt. € 1.500 vs. 60 bedeutet demnach, dass ihr entweder die € 1.500,- ODER 60% bekommt, sofern die 60% die 1.500 übersteigen.

Beispiel A
Die Ticketeinnahmen betragen € 2.000,-. 60% davon wären: € 1.200,-.
Ihr bekommt dann die vereinbarte Garantie von € 1.500,- Der Prozentsatz hat keine Relevanz.

Beispiel B
Die Ticketeinnahmen betragen €3.000,-. 60% davon sind: €1.800,-.
Ihr bekommt diesen Anteil von € 1.800,- – die Garantie von €1.500,- hat keine Relevanz.

Fixgage + Bonuszahlungen

Fixgage + X Prozent After Break
Bedeutet, dass ihr die Fixgage UND einen bestimmten Bonus bekommt, wenn der Veranstalter mit seiner Veranstaltung Gewinn macht. Hier ist es in jedem Fall ratsam sich eine Kostenaufstellung zeigen/vorab schicken zu lassen, in jedem Fall sollte der Veranstalter vorher bekannt geben, wo sein Break liegt.

1.500 + 30 After Break bedeutet: Ihr bekommt € 1.500,- Gage UND sofern der Break erreicht wird, bekommt ihr weitere 30% vom Gewinn, also nachdem ALLE Ausgaben bezahlt sind.

Beispiel: Die Veranstaltung läuft gut und es bleiben 500,- Gewinn über, zusätzlich zur Gage gibt es also 30% anteilig vom Gewinn.
Ihr bekommt gesamt: € 1.650,-
= € 1.500 Fixgage + € 150,- vom Gewinn

Ein ähnliches System ist das Bonussystem nach verkauften Tickets:
Zum Beispiel: 1.500,- Gage und ab 300 Verkauften Tickets gibt es für jeweils 50 verkaufte Tickets € 50,- zusätzlich.

Beispiel:
0-299 Tickets: 1.500,- Gage
300-349 Tickets: 1.550,- Gage
350-399 Tickets: 1.600,- Gage
400-449 Tickets: 1.650,- Gage

Wie anfangs erwähnt, welches System am meisten Sinn macht, kann man nicht pauschal beantworten. Man wird nicht umhin kommen, einen Taschenrechner in die Hand zu nehmen und nachzurechnen.

Wir hoffen wir konnten alle Unklarheiten beseitigen.

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